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Lexikon > Reflexe > Palmomentalreflex


Palmomentalreflex


Pathologischer Fremdreflex im Sinne sicherlich eines phylogenetischen Instinktreflexes, der durch die verschiedensten cerebralen Abbauprozesse von größerer Ausdehnung und mit subkortikaler Beteiligung entfesselt werden kann. Die pathologischen Greifphänomene einschließlich des Saug , Freß und Schnauzenreflexes stehen in der gleichen Reihe. Wenn der PMR auch bei augenscheinlich gesunden Personen in etwa 4 % auslösbar ist, sieht man ihn als pathologisches Phänomen vorwiegend bei cerebralsklerotischen Prozessen (oft schon als Frühsymptom), chronischen Alkoholkranken, aber auch bei allen möglichen anderen Hirnprozessen, auch solchen extrapyramidalen Ursprungs. Meist ist er doppelseitig, aber seitendifferent, bei Halbseitenlähmungen auf der betroffenen Seite stärker als auf der gesunden Seite. Trotzdem ist der PMR seitenlokalisatorisch wenig verwertbar. Als pathologisch sollte man ihn nur ansehen, wenn er deutlich ist und sich auch bei mehrfach wiederholten Reizversuchen nicht erschöpft. In jedem Fall sollte man auch einen schwachen PMR registrieren, der dann im Verband anderer Zeichen mitverwertbar werden kann. Reizort: der Daumenballen als Zentrum einer reflexogenen Zone, die bei starkem PMR die ganze Volarfläche der Hand einschließlich der Finger, vor allem des Daumengliedes (Pollicomentalreflex), aber auch den ganzen Arm bis zur Brust umfassen kann. Sogar von der Cornea aus kann gar nicht so selten derselbe Effekt wie beim PMR erzielt werden (Corneomentalreflex), übrigens auch dann, wenn der eigentliche PMR gar nicht auslösbar ist (Auslösung wie beim Cornealreflex, Auslösung : durch einen sehr raschen, einkerbenden Strich mit dem Fingernagel (von Zeige oder Mittelfinger), der den Daumenballen vom Handgelenk bis zum Daumengrundgelenk durchpflügt, ohne Schmerzen zu verursachen. Mann kann auch eine Nadelspitze benützen, besser aber den Nadelkopf oder irgendeinen anderen nicht zu spitzen Gegenstand. Der Mund des Patienten soll ganz leicht geöffnet, die Hand entspannt sein. Effekt: flüchtige, manchmal auch tonisch verlaufende Kontraktion der Kinnmuskulatur auf der reizgleichen Seite. Beteiligt sind: M. mentalis, M. quadratus und M. triangularis. Man sieht dabei eine Kräuselung der betreffenden Kinnpartie mit oder ohne gleichzeitige Wälzbewegung der Unterlippe auf dieser Seite nach außen (partieller Freßreflex?). Schmerzhaftes Gesichtsverziehen kann den PMR überdecken oder auch vortäuschen. Über die Bahnen des PMR vom 5. Cervicalsegment zum N. faciaiis ist noch nichts bekannt. In jedem Fall kann er nicht nur als spezifisches Pyramidenzeichen aufgefasst werden. Im Insulinkoma verschwindet er bei Fällen, die ihn vorher hatten, er tritt auch nicht auf, wenn er vorher fehlt (im Gegensatz zum Babinski).